Wie Killerzellen auf die richtige Spur kommen

BONN (MedCon) – Wissenschaftler der Universität Bonn haben ein lange ungeklärtes Rätsel des Immunsystems gelöst: Sie konnten zeigen, wie Immunantworten gegen Viren und Krebs zustande kommen. Die Forscher hoffen nun auch auf neue Therapien gegen Autoimmunkrankheiten.

Damit die so genannten Killerzellen virusinfizierte Zellen oder Krebszellen erkennen und in den Selbstmord treiben oder direkt zerstören können, müssen sie zunächst wissen, gegen welchen Feind sie kämpfen sollen.

Diese Aktivierung übernehmen die so genannten dendritischen Zellen. Sie nehmen Proteine von Viren oder Tumoren auf und zerkleinern sie. Danach transportieren sie die Bruchstücke an ihre Oberfläche und präsentieren sie den T-Zellen. Dadurch wissen diese, welche „Verbrecher“ sie jagen sollen. Sie vermehren sich dann massiv und schwärmen in alle Gewebe aus, um ihre Aufgabe zu verrichten.

Dieser Aktivierungsmechanismus wurde vor mehr als zehn Jahren in Melbourne erstmals beschrieben. Ungeklärt war bislang allerdings, auf welche Weise die dendritischen Zellen die Antigene zerlegen und dann an ihre Oberfläche bringen. In der aktuellen Studie konnten Dr. Sven Burgdorf und Professor Kurts zusammen mit Kollegen der Universität Frankfurt dieses Rätsel lösen.

„Unsere Erkenntnisse sind grundlegend für das Verständnis der Funktion dendritischer Zellen“, erklärt Kurts. „Sie ermöglichen so die Entwicklung effektiverer Impfstoffe gegen Viren und Krebs.“

Außerdem sehen die Forscher neue Ansatzpunkte für die Behandlung von Autoimmunkrankheiten. Bei diesen Erkrankungen „kämpft das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Zellen“, erläutert Dr. Burgdorf. „Grund ist eine fehlerhafte Aktivierung von Killerzellen. Wenn man diesen Vorgang hemmt, kann man diese Aktivierung vielleicht unterbinden.“

Einen ersten Erfolg konnten Burgdorf und sein Assistent bei Versuchen mit dem Malariamittel Primaquin verzeichnen. Das Medikament stoppt die Antigenpräsentation und damit auch die Aktivierung der T-Killerzellen. „Möglicherweise ist das ein neuer Weg, um Autoimmunerkrankungen zu behandeln“, hofft Burgdorf.

Quelle: Nature Immunology, online vorab veröffentlicht am 30.03.2008