Welche Nervenzelle bekommt einen Mantel aus Myelin?

BERLIN (Biermann) – Forscher des Max-Dellbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin konnten an Mäusen aufklären, wie der Körper steuert, ob eine Nervenzelle des peripheren Nervensystems eine Myelinschicht um ihren Fortsatz (Axon) erhält oder nicht.

Das Nervensystem besteht neben den Neuronen auch aus den sogenannten Gliazellen, die den Nervenzellen Halt geben, aber auch für deren Isolierung und Versorgung mit Nährstoffen verantwortlich sind. "Ohne Gliazellen würde keine Nervenzelle funktionieren", erklärte Dr. Tamara Grigoryan vom MDC.

Eine Sorte von Gliazellen sind die sogenannten Schwannzellen, die im peripheren Nervensystem die Axone von Nervenzellen umhüllen und die Myelinschicht bilden. "Die Schwannzellen steuern auch die Regeneration der Axone nach einer Nervenverletzung im peripheren Nervensystem", sagte Grigoryan.

Aber nicht alle Nervenfortsätze werden von den Schwannzellen umhüllt. "Zu Beginn ihrer Entwicklung im Embryo sind die Axone in Bündeln als Fortsatz einer Nervenzelle zusammengefasst und von einer Schwannzelle umhüllt", erläutert Grigoryan weiter. "Zur Zeit der Geburt aber beginnt die Schwannzelle die dicken Axone aus dem Bündel auszusortieren und mit einer Myelinschicht zu umhüllen. Die dünnen Axone werden nicht aussortiert – sie bleiben gebündelt und erhalten auch keine Myelinschicht. Diesen Vorgang nennt man 'axonale radiale Sortierung.'"

Wie die Forscher nun herausgefunden haben, wird dieser wichtige Prozess von einem Signalpfad gesteuert, den die Forscher schon seit vielen Jahren untersuchen. Er spielt bei der Embryonalentwicklung, beim Wachstum, der Reifung oder Spezialisierung von Zellen sowie bei der Steuerung von Stammzellen eine wichtige Rolle.

Die Forscherin und ihre Kollegen hoffen nun, mit ihrer Entdeckung nicht nur zu einem besseren Verständnis der Entwicklung von Schwannzellen beizutragen, sondern auch bessere Einblicke in die Entstehung von Störungen zu erhalten, an denen diese Zellen beteiligt sind.