Physiotherapie bei MS: Ein Plus für die Leistungsfähigkeit

Physiotherapie bei MS
Die Multiple Sklerose erfordert eine patienten- und verlaufsbezogene Behandlung. Für die körperliche Leistungsfähigkeit ist die Physiotherapie hierbei ein wichtiger Baustein – damit Menschen MS ihr Leben möglichst lange aktiv gestalten können.

Was bedeutet eigentlich Physiotherapie?

Wenn man den Begriff Physiotherapie aus dem Altgriechischen übersetzen will, bedeutet er in etwa so viel wie "das Wiederherstellen der natürlichen Funktion".  Diese Bedeutung umfasst allerdings nur einen Aspekt der heutigen Einsatzgebiete. Denn die Physiotherapie dient nicht nur zu Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei bestehenden Einschränkungen, sondern auch zur Vorbeugung von drohenden Funktionsstörungen.

Dabei werden unter dem Überbegriff „Physiotherapie“ die Bewegungstherapie und die Physikalische Therapie zusammengefasst. In beiden Fällen nutzt das natürliche Heilverfahren die Anpassungsmechanismen des Körpers, um Funktionsstörungen zu verbessern oder ihnen vorzubeugen. 

Bewegungstherapie:

Im Rahmen der früher auch als Krankengymnastik bezeichneten Bewegungstherapie werden bestimmte Beschwerden mit Hilfe von aktiven oder passiven Bewegungen behandelt. Physiotherapeuten unterscheiden hier demnach zwischen der aktiven und passiven Bewegungstherapie: Bei der aktiven Bewegungstherapie führt der Patient die Übungen selbst aus, bei der passiven übernimmt das eine äußere Kraft wie der Physiotherapeut.

Physikalische Therapie:

Bei der physikalischen Therapie kommen physikalische Reize zum Einsatz, um Beschwerden zu behandeln. Gängige Anwendungsformen sind beispielsweise die Massage, die Behandlung mit thermischen Reizen wie Wärme und Kälte sowie die Hydrotherapie mit Wasser oder die Elektrotherapie mit Strom.

Wie Menschen mit MS von Physiotherapie profitieren


Bei Menschen mit MS wird die Physiotherapie zur Behandlung verschiedener Funktionsstörungen eingesetzt. Als Anwendungsgebiete benennt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Spastik, Gelenk-, Muskel- und Wirbelsäulenschmerzen, Blasen- und Darmstörungen sowie Ataxie und Tremor. Denn mithilfe der Physiotherapie können Spastiken und Schmerzen gemildert werden, wohingegen sich Kraft und Koordination sowie die Stand-, Gang- und Handfunktionen fördern lassen. Auch Blasenstörungen und damit verbundene Inkontinenzprobleme lassen sich durch die Physiotherapie verbessern.  Außerdem können Menschen mit MS mit Hilfe von Physiotherapie wieder ein besseres Gefühl für ihren Körper entwickeln, Gleichgewichts- und Bewegungsabläufe besser koordinieren und ihren persönlichen Alltag idealerweise aktiver gestalten.

Was erwartet Menschen mit MS bei der Physiotherapie?

Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, um physiotherapeutisch bei Multiple Sklerose anzusetzen. Hier einige Beispiele dazu, welche Methoden bei MS zum Einsatz kommen können:

  • Bei Krämpfen oder Spastiken kann die passive Bewegungstherapie dabei helfen, die Muskeln zu lockern und zu entspannen.

  • Gleichgewichttraining kann helfen, wieder in eine stabile Körperhaltung zu kommen, sich sicherer zu bewegen und Stürze zu vermeiden.

  • Ein vom Therapeuten erarbeiteter Tagesplan mit Hilfestellungen und Tipps unterstützt dabei, die eigenen Kräfte einzuteilen und den Alltag besser zu bewältigen.

  • Empfehlungen für ein Übungsprogramm zu Hause ergänzen und verlängern die Physiotherapie über die reine Behandlungszeit in der Praxis hinaus.