Oligos schützen Nervenzellen vor Stress

MAINZ (Biermann) – Wissenschaftler der Universität Mainz haben herausgefunden, dass Oligodendrozyten nicht nur die isolierende Myelinschicht um die Ausläufer von Nervenzellen bilden, sondern die Neurone auch vor ungünstigen Bedingungen und Stress schützen.

Wie Carsten Frühbeis und seine Kollegen festgestellt haben, geben die Oligodendrozyten über kleine Bläschen, sogenannte Exosome, schützende Eiweiße, Enzyme für den Zuckerstoffwechsel und Enzyme, die den oxidativen Stress abbauen, an die benachbarten Nervenzellen ab. "Das funktioniert nach dem Prinzip ‚Lieferung auf Abruf‘", beschreibt Studienleiterin Dr. Eva-Maria Krämer-Albers den Prozess. "Wir glauben, dass es sich dabei um ‚Care-Pakete‘ handelt, die von den Oligodendrozyten zu den Neuronen geschickt werden." Ausgelöst werden die "Hilfslieferungen" durch Signale der Nervenzellen.

Die Wissenschaftler konnten weiter zeigen, dass es Neuronen, die künstlich unter Stress gesetzt wurden, mit den "Care-Paketen" besser ging. "Die Versorgung trägt zum Schutz der Neuronen bei und bewirkt wahrscheinlich auch eine Neubildung von Proteinen", erklären Frühbeis und sein Kollege Dominik Fröhlich.

Sie haben damit eine neuartige, wechselseitige Kommunikation zwischen Nervenzellen und Oligodendrozyten nachgewiesen, die für den dauerhaften Erhalt der Nervenfasern von Bedeutung ist. "Eine solche Interaktion zwischen den Zellen des Nervensystems, bei der ein ganzes Paket von Substanzen, einschließlich genetischer Information, ausgetauscht wird, war bisher nicht bekannt", fasst Krämer-Albers die Ergebnisse zusammen. In Zukunft hoffen die Forscher, Exosomen als mögliche "Cure"-Pakete für Therapien von Nervenerkrankungen zu erschließen.