Multiple Sklerose in Zeiten von Corona

Multiple Sklerose in Zeiten von Corona
Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat unser Leben komplett verändert. Alltägliche Abläufe wie Einkaufen, Busfahren oder Arztbesuche wurden plötzlich zu außergewöhnlichen Situationen.

Hinzukommt bei Menschen mit MS vielfach eine große Verunsicherung, unter anderem weil bestimmte Personengruppen als anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf gelten – darunter auch Menschen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen.

So haben gemäß der Einschätzung des Robert Koch Instituts (RKI) manche Personengruppen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf: 

  • Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt demnach ab einem Lebensalter von 50 bis 60 Jahren stetig an. 

  • Desgleichen scheinen verschiedene chronische Erkrankungen dieses Risiko zu erhöhen, z. B. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen sowie Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber oder der Niere. 

  • Faktoren wie Übergewicht oder Rauchen werden ebenfalls mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf in Verbindung gebracht. 

  • Auch für Menschen mit unterdrücktem Immunsystem besteht ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das kann bei einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, der Fall sein aber auch aufgrund von Medikamenten, die die körpereigenen Abwehrkräfte unterdrücken, wie z. B. Cortison. 

Menschen mit MS, bei denen aufgrund einer immunsuppressiven Behandlung ein Immundefekt vorliegt, könnten theoretisch ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung haben.  Nach Empfehlung des DMSG-Bundesverbands sollten regelmäßige in Intervallen verabreichte Cortison-Therapien derzeit pausiert werden. Im Falle eines Schubs wird empfohlen, die Notwendigkeit eines Cortisonpulses sorgfältig abzuwägen (Stand 18.09.20). Besonders vorsichtig sollten auch MS-Betroffene sein, die auf den Rollstuhl angewiesen oder bettlägerig sind: Da ihre Lungen oft weniger gut belüftet sind, ist das Risiko für Atemwegserkrankungen bei ihnen insgesamt erhöht.

Mit MS ein erhöhtes Infektionsrisiko für SARS-CoV-2?

Viele Menschen mit MS fragen sich auch, ob eine bestehende Multiple Sklerose das Infektionsrisiko generell erhöht. Glücklicherweise hat sich diese Befürchtung gemäß derzeitigem Kenntnisstand jedoch nicht bewahrheitet. So liegt die Zahl der in Deutschland mit dem neuartigen Coronavirus infizierten MS-Betroffenen deutlich unter dem statistisch erwarteten Wert. Daher gehen Experten des Bundesverbands der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft DMSG davon aus, dass aufgrund der MS kein grundsätzlich stärkeres Infektionsrisiko besteht (Stand 18.09.20).  Immunmodulierende Medikamente, wie zum Beispiel eine Basistherapie, stellen kein erhöhtes Risiko für eine Infektion dar.   Auch von dem Risiko für einen schweren Verlauf ist nicht auszugehen. 

Gefährliche Situationen (er)kennen: Die „Drei G“

Dennoch gibt es Situationen, bei denen grundsätzlich erhöhte Vorsicht geboten ist – unabhängig vom persönlichen MS-Verlauf oder der individuellen Medikation. So ist das Risiko, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken immer dann groß, wenn viele Menschen aufeinandertreffen und sich austauschen . Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA fasst diese gefährlichen Situationen als die "Drei G" zusammen. 

Damit gemeint sind geschlossene Räume, Gespräche sowie Gruppen und Gedränge. Denn in geschlossenen Räumen reichern sich beim Atmen und Reden sogenannte Aerosole an. Das sind kleinste Flüssigkeitsteilchen, die sich längere Zeit in der Luft halten und so auch Coronaviren verbreiten können. Räume sollten daher regelmäßig gründlich gelüftet werden. Da das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 in der Nähe einer infizierten Person besonders hoch ist, sollte man Menschenmengen meiden bzw. auf ausreichend Abstand zu anderen Personen achten. Außerordentlich hoch ist das Infektionsrisiko immer dann, wenn gleich mehrere der "Drei G" aufeinandertreffen.

Wichtige Regeln für den richtigen Umgang im Alltag: AHACL

Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, empfiehlt die BZgA bereits seit längerem, in Risikosituationen die AHA-Regeln einzuhalten (Stand 06.10.2020).  Dabei steht A für Abstand halten, H für Hygiene und das zweite A für die Alltagsmaske. Auf dem Corona-Gipfel vom 29. September haben Bund und Länder diese Regeln um ein "L" für "Lüften" und ein "C" für den Gebrauch der „Corona Warn App“ ergänzt – im Sinne von AHACL.  Diese Empfehlungen dienen jedoch nicht nur der Minimierung des eigenen Risikos: Wer in Pandemie-Zeiten gewissenhaft und umsichtig handelt, schützt auch die Menschen um sich herum.

Weitere wichtige Informationen und allgemeine Hinweise zum Thema COVID-19 gibt es hier:


Die aktuellen Empfehlungen der Multiple Sklerose Gesellschaft Österreich finden sich unter www.oemsg.at/ oder unter: www.msges.at/news