Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose

MÜNCHEN (Biermann) – Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass Menschen mit Multipler Sklerose (MS) bereits Jahre vor der Diagnose deutlich häufiger einen Arzt aufsuchen als Personen ohne MS.

Die Fachwelt diskutierte dies als eine mögliche Vorläufer-Phase der MS, eine sogenannte Prodromalphase. Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) hat nun Hinweise darauf gefunden, dass es sich bei den Beschwerden um nicht erkannte erste MS-Schübe handelt.

MS beginnt oft lange vor der Diagnose

„Wir glauben, dass viele Beschwerden, die bisher einer Prodromalphase zugeordnet wurden, durch die bereits bestehende Erkrankung selbst verursacht werden. Wir glauben deshalb, dass die Erkrankung zwar noch nicht diagnostiziert, aber schon voll aktiv ist und sich nicht in einem Vorstadium, dem sogenannten Prodrom, befindet“, erklärte Prof. Bernhard Hemmer, Neurologe an der TUM.

Damit könnten die neuen Studienergebnisse den Forschenden zufolge auch die Möglichkeit eröffnen, die Therapie der MS zu optimieren: „Je früher eine MS erkannt wird, desto besser können wir die Erkrankung behandeln“, sagte Dr. Christiane Gasperi, Ärztin und Wissenschaftlerin am Neuro-Kopf-Zentrum am Klinikum rechts der Isar der TUM. „Wir müssen nun genauer untersuchen, welche frühen Symptome der MS unter Umständen übersehen werden. Dies könnte dabei helfen, die Erkrankung früher zu erkennen und damit auch früher eine Therapie einzuleiten.“

Seltenere Infektionen der Atemwege

Neben den beschriebenen häufigeren Beschwerden in den Jahren vor der MS-Diagnose fiel den Forschenden auch auf, dass Personen mit MS seltener wegen Infekten der oberen Atemwege beim Arzt waren.

„Dies war ein unerwartetes Ergebnis, zumal Schubereignisse bei MS in der Vergangenheit manchmal mit Infekten in Verbindung gebracht werden konnten“, erklärte PD Dr. Alexander Hapfelmeier vom Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der TUM. Ob dies allerdings daran liegt, dass die MS einen gewissen Schutz vor manchen Infektionen bietet, oder ob Menschen mit MS sich aufgrund von Hygienemaßnahmen und vorsichtigerem Verhalten seltener anstecken, wollen die Wissenschaftler in weiteren Studien untersuchen.


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