Magnetresonanztomographie: MRT …was MS-Betroffene wissen sollten

Die Magnetresonanztomographie kann ohne Strahlenbelastung krankhafte Veränderungen abbilden – auch Entzündungen. Deshalb kommt die MRT auch in der MS-Diagnose und -Verlaufskontrolle zum Einsatz, um MS-Herde in Gehirn und Rückenmark aufzuspüren.

Im Zuge der Multiplen Sklerose kommt es zu Entzündungen im zentralen Nervensystem, die zu dauerhaften Schäden und Beeinträchtigungen führen. Solche Krankheitsherde zu erkennen, ist nicht nur im Rahmen der Diagnosestellung wichtig, sondern auch für die Therapie. Denn wer den Verlauf (er)kennt, kann die Behandlung besser steuern. Ein echter Durchbruch gelang 1981 durch die Arbeit von Ian Young und den Einsatz der Magnetresonanztomographie (MRT): Die deutliche Darstellung von MS-Herden auf hochauflösenden Aufnahmen verbesserte die Diagnostik früher MS-Stadien und ermöglichte eine exaktere Verlaufsbeurteilung. 

Wie funktioniert eine MRT-Untersuchung?

Die MRT wird auch als Kernspintomographie oder umgangssprachlich Kernspin bezeichnet. Sie gehört wie die Computertomographie (CT) und das Röntgen zu den bildgebenden Untersuchungen. Allerdings ist der Körper bei der MRT keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.  Stattdessen werden hier starke Magnetfelder eingesetzt, um das Innere des Körpers schichtweise abzubilden und dreidimensional zu betrachten.  Dafür wird die zu untersuchende Person in der Regel auf einem Untersuchungstisch in ein röhrenförmiges Gerät geschoben. Die Dauer der Untersuchung ist abhängig von der Körperregion und umfasst etwa 15 bis 30 Minuten. Währenddessen ist es wichtig, dass die zu untersuchende Person ruhig liegen bleibt. 

Was tun bei Angst vor Enge?

Wer Angst vor der Enge hat, sollte vor der Untersuchung die Augen schließen. Hilfreich kann auch eine spezielle Prismabrille sein, mit der es möglich ist, am Körper entlang nach außen zu blicken. Bei starker Klaustrophobie kann der Arzt Medikamente zur Beruhigung verabreichen.  Mittlerweile stehen auch offene MRT-Geräte zur Verfügung, die aus zwei Blöcken bestehen. Dadurch ist es möglich, während der Untersuchung nach draußen zu sehen.  Manche der offenen MRT-Geräte ermöglichen sogar eine Untersuchung im Sitzen oder Stehen. Diese sogenannten Upright-MRT-Geräte kommen auch dann zum Einsatz, wenn herkömmliche Geräte für übergewichtige Menschen zu eng sind. 

Warum wird es im MRT so laut?

Die sich an- und abschaltenden Magnetspulen im MRT machen sich durch Knatter- und Klopfgeräusche bemerkbar. Dadurch wird es während der Untersuchung in „der Röhre“ recht laut.  Die Patientinnen und Patienten erhalten daher immer einen Gehörschutz, mitunter auch einen Kopfhörer, über den Musik läuft. 

Wofür wird ein Kontrastmittel gegeben?

Um innere Körperstrukturen möglichst gut sichtbar zu machen, werden bei der MRT-Untersuchung häufig Mittel zur Kontrastverstärkung eingesetzt. Anders als Röntgen- oder CT-Kontrastmittel enthalten diese jedoch kein Iod, sondern meist Gadolinium.  Da sich längliche Gadolinium-Verbindungen im Körper ablagern können, werden heute ringförmige Varianten verwendet. Um aktive Entzündungen in Gehirn und Rückenmark zu entdecken, erhalten viele Menschen mit MS kurz vor der Untersuchung intravenös ein entsprechendes Kontrastmittel. Bei der Verlaufskontrolle ist das dann nicht unbedingt nötig, wenn sich die neue Aufnahme mit vorangegangenen vergleichen lässt. 

Wer und was darf nicht mit in die Röhre?

Von einer MRT-Untersuchung ausgenommen sind Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel.  Menschen mit elektronischen Implantaten müssen klären, ob eine Untersuchung möglich ist: Die starken Magnete können implantierte Impulsgeber in ihrer Funktion stören. Aufgrund des Magnetfelds dürfen auch keine metallischen Gegenstände mit in die Röhre, da lose Teile hier gefährlich hin- und hergeworfen würden. Auch metallische Teile im Körper wie Metallsplitter im Auge oder ältere OP-Clips können ein Sicherheitsrisiko darstellen. Ebenso Tätowierungen oder Permanent Make-up mit Metallpartikeln, da diese sich erhitzen können. Im Knochen befindliche Metalle stellen kein Sicherheitsproblem dar, können aber die Bildqualität in der entsprechenden Körperregion beeinträchtigen. 

Tipps für den Untersuchungstag:

  • Ungeschminkt zum MRT-Termin erscheinen, da Make-up metallische Farbpigmente enthalten kann. 

  • Auf Kleidung mit metallischen Gürtelschnallen, Reißverschlüssen etc. sowie BHs mit Metallbügeln verzichten – oder in der Kabine ablegen.

  • Schlüssel, Brille, Uhr, Schmuck, Haarnadeln, Piercings, Münzen und Handy in der Kabine lassen ebenso wie Karten mit Magnetstreifen.

  • Herausnehmbaren Zahnersatz und Hörgeräte abnehmen. 

Zukunftsmusik: Künstliche Intelligenz

Da die Auswertung der MRT-Bilder anspruchsvoll und zeitintensiv ist, arbeiten Forscher derzeit am Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – auch, um die Versorgung von MS-Patienten zu vereinfachen und zu verbessern. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und zweier mittelständischer Unternehmen hoffen, dass die anfallenden Bilddaten mit Hilfe von KI künftig binnen Sekunden statt wie bislang in 20 bis 30 Minuten ausgewertet werden. Das könnte auch niedergelassenen Neurologen eine schnelle und präzise Diagnostik ihrer Patienten ermöglichen. 


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