Impfung gegen MS in Sicht?

Impfung gegen MS in Sicht
MÜNSTER (Biermann) – Nach aktuellen Studienergebnissen und entsprechenden Medienberichten, wonach eine mRNA-Vakzinierung nach Vorbild des COVID-19-Impfstoffes möglicherweise auch zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) einsetzbar sei, ...

... bremst das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) vorschnelle Hoffnungen. 

In einer Studie ist es Forschern gelungen, die Entstehung von experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis (EAE), einer der MS sehr ähnlichen Erkrankung bei Mäusen, durch einen entzündungshemmenden Impfstoff zu unterdrücken. Bei bereits erkrankten Tieren konnte der Krankheitsverlauf durch die Gabe des mRNA-Impfstoffes abgemildert beziehungsweise rückgängig gemacht werden.

Studienergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar

Diese Studienergebnisse weckten möglicherweise Hoffnungen bei MS-Betroffenen, erklärte das KKNMS. Die Resonanz in den Medien sei hoch, es werde teilweise von der Möglichkeit gesprochen, eine Impfung gegen MS entwickeln zu können.

Allerdings könnten die Ergebnisse der Tierstudie nicht direkt auf den Menschen übertragen werden, erklärte das KKNMS. "Was in Mäusen mit experimenteller autoimmuner Enzephalomyelitis als Impfstrategie funktioniert, ist als Strategie für eine Autoimmunerkrankung beim Menschen nicht so einfach zu übersetzen", schreiben die Experten des Kompetenznetzes in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Antigen-spezifische Therapieansätze

Hauptproblem beim Menschen – im Gegensatz zum Tiermodell – sei, dass die Ziele eines solchen Impfstoffes im Fall der MS nicht bekannt sind. Über Jahrzehnte hätten Wissenschaftler bereits versucht, die für MS relevanten Zielstrukturen, sogenannte Antigene, zu identifizieren, was jedoch nicht gelungen sei. Im Gegenteil: In den 1990er-Jahren hätten Antigen-spezifische Therapieansätze bei der Übertragung aus Laborbedingungen auf den Menschen sogar unerwartet zu einer Verstärkung der Entzündung im Gehirn geführt, erklärte das KKNMS.

Die MS gilt unter Experten als komplexe Störung verschiedener, das Immunsystem regulierender Netzwerke. In der Folge könne ein Eingriff in eines der beteiligten Netzwerke leicht zu Störungen in einem anderen führen. Somit sei es nicht verwunderlich, dass bislang kein Antigen-spezifischer Therapieansatz in der MS (und auch nicht bei anderen Autoimmunerkrankungen) erfolgreich war, erklärten die MS-Forscher.

Eine „Impfung gegen MS“ zu entwickeln, sei zwar „charmant und wissenschaftlich ein hochwertvolles Ziel", erklärten die MS-Experten. Es fehlt beim Menschen aber nicht die richtige Labortechnik, sondern die Biologie der Entzündungsprozesse bei der MS ist ganz anders zu bewerten als bei einer Infektion."