Forscher finden Biomarker für die individuelle MS-Prognose

Forscher finden Biomarker für die individuelle MS-Prognose
BASEL (Biermann) – Um die Multiple Sklerose (MS) bestmöglich behandeln zu können, ist es wichtig, möglichst früh eine Aussage über den weiteren Verlauf treffen zu können.

Am besten geeignet wären hierfür Biomarker, die man unkompliziert mithilfe einer Blutprobe bestimmen kann. Eine multinationale Studie zeigt nun, dass Proteine, die beim Abbau von Nervenzellen frei werden, u. a. das sogenannte Serum Neurofilament Light Chain (sNfL), ein solcher Marker sein können.

Serum Neurofilament Light Chain (sNfL) ist ein Biomarker für Schäden an Nervenzellen, der zunächst in das Nervenwasser und dann ins Blut abgegeben wird. Bislang wurde der Marker jedoch vor allem dazu genutzt, im Rahmen von Studien und für große Patientengruppen Aussagen zur Krankheitsaktivität, zum Ansprechen auf Medikamente sowie zur Prognose des Krankheitsverlaufs zu treffen. Ob der Biomarker auch für die individuelle Prognose geeignet ist, war bislang unklar. Denn auf dieser Ebene müssen auch weitere physiologische Faktoren berücksichtigt werden, die den sNfL beeinflussen, beispielsweise das Alter, der Body Mass Index (BMI) und eventuelle Begleiterkrankungen.

Um herauszufinden, ob sNfL auch als individueller Biomarker zur Identifizierung von Personen mit einem Risiko für zukünftige Krankheitsaktivität geeignet ist, analysierten Pascal Benkert von der Universität Basel und Kollegen die Daten mehrerer großer Gruppen gesunder und von MS betroffener Personen. Mithilfe einer großen Referenzdatenbank nichtbetroffener Personen leiteten die Forschenden sNfL-Referenzwerte ab und analysierten, wie diese sich in Abhängigkeit von Alter und BMI veränderten.

In zwei unabhängigen Studiengruppen von Personen mit MS testeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anschließend, ob diese angepassten sNfL-Referenzwerte das Risiko für eine künftige Aktivität dr MS tatsächlich vorhersagen – sowohl auf Gruppenebene als auch für Einzelpersonen. Außerdem untersuchten die Forschenden, ob sNfL auch genutzt werden kann, die langfristige Wirksamkeit krankheitsmodifizierender Therapien zu bewerten – mit Erfolg: Denn tatsächlich ermöglicht sNfL einzelne Personen mit MS zu identifizieren, bei denen ein Risiko für weitere Krankheitsaktivität besteht. Zudem glauben die Forschenden, dass die Beobachtung des sNfL-Spiegels unter Therapie dabei helfen kann, den Behandlungserfolg einzuschätzen. Darüber hinaus könnte sNfL in Zukunft auch dabei helfen, verschiedene Arzneimittelklassen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit miteinander zu vergleichen, sind die Wissenschaftler optimistisch.

„Patientendaten zum sNfL erhöhen die diagnostische Genauigkeit, zeigen einen Zusammenhang mit der Prognose des Krankheitsverlaufs und können, bei Datenerfassung über einen längeren Zeitraum, therapeutische Entscheidungen erleichtern“, fasst Prof. Frauke Zipp, Stellvertretende Vorständin des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft-Bundesverbandes, die Studienergebnisse zusammen.  


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