Fatigue sagt Behinderungsprogression voraus

Wissenschaftler verglichen die Ergebnisse einer Fatigue-Skala (MFIS) mit denen der EDSS-Skala zur Bewertung der körperlichen Behinderung. Sie kamen zu dem Schluss, dass Fatigue als Indikator für den Übergang von mittlerer zu schwerer Behinderung herangezogen werden kann.

BOSTON (Biermann) – Die Fatigue zählt zu den häufigsten und belastendsten Begleiterscheinungen der Multiplen Sklerose (MS). Häufig tritt die chronische Erschöpfung schon in frühen Phasen der MS auf und beeinträchtigt die Betroffenen dann mehr als körperliche Einschränkungen. Nun haben US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass die Fatigue bei schubförmig-remittierender MS auch ein Indikator für den Übergang von mittlerer zu schwerer Behinderung ist.

Die Forscher um Charles Guttmann vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hatten retrospektiv die Daten von 33 Frauen mit schubförmig-remittierender MS ausgewertet, deren EDSS-Wert sich innerhalb von mindestens drei Jahren dauerhaft (>2 Jahre) auf einen Score von mindestens 3 verschlechtert hatte. Den Fatigue-Wert dieser Frauen auf der Modified Fatigue Impact Scale (MFIS), der mindestens ein Jahr vor der EDSS-Verschlechterung bestimmt worden war, verglichen sie mit dem von 33 Frauen, deren EDSS-Wert sich nicht verändert hatte.

Dabei zeigte sich, dass der MFIS-Wert bei den Frauen, deren EDSS-Wert sich verschlechtert hatte, deutlich höher war als bei den Frauen ohne Verschlechterung (Median: 37 vs. 13). Auch die EDSS- und Depressions-Werte (Center for Epidemiological Studies Depression scale, CES-D) waren bei den Frauen mit Behinderungsprogression höher (Medianer EDSS-Werte 1,5 vs. 0; medianer CES-D-Wert 30 vs. 24) und korrelierten mit dem MFIS-Wert. Multivariate Analyse ergaben schließlich, dass der Fatigue-Wert auch bei Berücksichtigung des EDSS- und Depressionswertes ein aussagekräftiger Vorhersagewert für eine bevorstehende Verschlechterung des EDSS-Wertes auf einen Score von mindestens 3 war.