Der Schwerbehindertenausweis – seine Vor- und Nachteile

Der Schwerbehindertenausweis – seine Vor- und Nachteile
Am öffentlichen Leben aktiv teilnehmen, einen Ausgleich für Nachteile erhalten, besondere Rechte wahrnehmen – dabei soll ein Schwerbehindertenausweis unterstützen.

Natürlich ist es nicht einfach, sich mit dem Thema Schwerbehinderung auseinanderzusetzen. Doch ein Ausweis lohnt sich und bringt Vorteile in vielen, aber nicht in allen Lebensbereichen.

Einen Schwerbehindertenausweis können nicht nur Menschen mit einer Sinnes- oder Mobilitätseinschränkung erhalten. Auch bestimmte chronischen Erkrankungen werden als Behinderung anerkannt – Multiple Sklerose zählt dazu.

Zwar bedeutet die Diagnose MS nicht zwangsläufig Rollstuhl oder Schwerbehinderung. Denn die individuellen Beschwerden und Beschränkungen im Alltag sind abhängig vom jeweiligen Ausmaß und den Orten, an denen das Nervensystem geschädigt ist. Doch wenn die Einschränkungen erheblich sind, kann ein Schwerbehindertenausweis hilfreich sein. 

Wie beantragt man einen Schwerbehindertenausweis?

Zur Beantragung eines Schwerbehindertenausweises wendet man sich an sein zuständiges Versorgungsamt. Den dazu nötigen Antrag erhält man außer bei den Versorgungsämtern auch bei Gemeindebüros oder Bürgerämtern – sowohl vor Ort als auch online. Alternativ kann man sich den Antrag per Post oder E-Mail zusenden lassen. Anzugeben sind darauf neben den persönlichen Daten u. a. Informationen zu den individuellen Einschränkungen sowie zu den behandelnden Ärzten. Auch Kopien von medizinischen Befunden und Arztberichten können beigefügt werden. 

Fällt die Entscheidung nach Prüfung aller Kriterien positiv aus, erteilt die Behörde einen Feststellungsbescheid. Darin sind die einzelnen Behinderungen, der Grad der Behinderung (GdB) und die Merkzeichen  aufgeführt. Merkzeichen sind Buchstabenkürzel, welche die Art der Behinderung kennzeichnen, an sie sind viele Nachteilsausgleiche gekoppelt. So steht beispielsweise ein „B“ dafür, dass ein schwerbehinderter Mensch im Sinne des Sozialgesetzbuchs zur Mitnahme einer Begleitperson berechtigt ist. Beträgt der im Bescheid festgestellte GdB 50 oder mehr, erhält man einen Schwerbehindertenausweis.

Welche Vorteile hat ein Schwerbehindertenausweis?

Menschen mit Behinderungen sind im Alltag oft benachteiligt. Beispielsweise müssen sie mehr Geld für Medikamente, Hilfsmittel oder Pflege ausgeben. Die Nachteilsausgleiche sollen zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Je nach Grad und Art der Behinderung gibt es günstigere Eintrittspreise, Rabatte beim Autokauf, Vorteile bei der Steuer oder die Möglichkeit der kostenlosen Nutzung von Bussen und Bahnen.

Um die Integration behinderter Menschen ins Berufsleben zu erleichtern, gibt es eine Reihe von jobbezogenen Nachteilsausgleichen – z. B. für einen behindertengerechten Arbeitsplatz oder in Form von zusätzlichen Urlaubstagen und einem besonderen Kündigungsschutz. Zudem können Menschen mit einer Schwerbehinderung früher in Rente gehen. 

Welche Nachteile hat ein Schwerbehindertenausweis?

Der Job ist gleichzeitig der Bereich, in dem sich auch die Nachteile eines Schwerbehindertenausweises zeigen können. So gibt es immer noch Arbeitgeber, die befürchten, dass ein behinderter Mensch möglicherweise nicht leistungsfähig genug ist und „unkündbar“, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist. Deshalb muss im Hinblick auf die persönliche, gesundheitliche sowie berufliche Situation abgewogen werden, ob ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden soll oder nicht.