Bremst Krafttraining die Gehirnatrophie bei MS?

Bremst Krafttraining die Gehirnatrophie bei MS?
Ein deutsch-dänisches Forscherteam fand in einer Studie Hinweise darauf, dass Krafttraining die Nervenzellen bei MS schützen kann oder sogar zur Bildung neuer Nervenzellen führen kann.

AARHUS/HAMBURG (Biermann) – Mit zunehmendem Alter schrumpft das Volumen des menschlichen Gehirns. Frühere Studien haben gezeigt, dass Krafttraining diese altersbedingte Hirnatrophie bremsen kann. Ein Team von deutschen und dänischen Wissenschaftlern hat nun untersucht, ob dieser Effekt auch bei Multipler Sklerose (MS) wirksam werden kann. Denn im Vergleich zu Nicht-Betroffenen nimmt das Gehirnvolumen bei Menschen mit MS rascher ab.

Dafür ließen die Forscher 18 Studienteilnehmer mit schubförmig-remittierender MS und leichter bis mittelschwerer Beeinträchtigung (EDSS 2-4) 24 Wochen lang zweimal wöchentlich ein Krafttraining absolvieren. 17 Studienteilnehmer mit vergleichbarer MS-Ausprägung, die lediglich ihr normales Alltagspensum an Bewegung absolvierten, dienten als Kontrollgruppe. Zielparameter der Untersuchung waren der Behinderungsgrad und verschiedene Marker in der Bildgebung wie die Zahl der Läsionen, das Gehirnvolumen, das Ausmaß der Gehirnatrophie und die Dicke der Hirnrinde.

Dabei zeigte sich, dass das Training keine Auswirkungen auf den Behinderungsgrad (EDSS), die Läsionslast und das Gehirnvolumen zu haben schien. Allerdings konnten die Forscher in der Trainingsgruppe leichte bis deutliche Unterschiede hinsichtlich der Gehirnatrophie und der Dicke der Hirnrinde zugunsten des Krafttrainings feststellen. Die beobachteten Veränderungen wurden noch deutlicher, wenn die Wissenschaftler die relativen Veränderungen der Dicke der Hirnrinde in vier Hirnregionen verglichen.

Dies sei ein Anhaltspunkt dafür, dass Krafttraining bei schubförmig-remittierender MS möglicherweise neuroprotektiv oder neuroregenerativ wirke, also die Nervenzellen schütze oder sogar zur Bildung neuer Nervenzellen führe, schlussfolgern die Autoren.

Quelle: Mult Scler, 1. Juli 2017; doi: 10.1177/1352458517722645