ask the expert: Bedeutung des Epstein-Barr-Virus bei MS

„Welche Bedeutung hat eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus bzw. das Pfeiffersche Drüsenfieber auf die Entstehung der MS?“ Diese Frage beantwortet Dr. med. Markus Heibel, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Sauerlandklinik Hachen.

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, was sich hinter dem Begriff überhaupt verbirgt: Im Lauf des Lebens infizieren sich fast alle Menschen mit dem Epstein-Barr-Virus, das zu den Herpesviren gehört und nach der Infektion im Körper bleibt. Meist kommt es schon im Kindesalter zur Infektion und das meist ohne Folgen. Eine frische Infektion kann aber auch mit Fieber, Müdigkeit, Halsschmerzen und geschwollenen Lymphknoten einhergehen, wir sprechen dann vom Pfeifferschen Drüsenfieber. Bereits seit längerem vermuten Fachleute, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus eine Rolle bei der Entstehung der Multiple Sklerose spielen kann. So ist beispielsweise bekannt, dass Kinder und Jugendliche, die Pfeiffersches Drüsenfieber hatten, ein erhöhtes Risiko tragen, später an MS zu erkranken. Eine Studie, die jüngst im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht wurde, bestärkt diese Vermutung. Dabei wurde eine Datenbank des US-Militärs untersucht, die Blutproben von über 10 Millionen jungen Erwachsenen umfasst. Das Forschungsteam fand heraus, dass das MS-Risiko nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus 32-fach erhöht war. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass derzeit an einem Impfstoff gegen das Epstein-Barr-Virus geforscht wird. Ob eine solche Impfung allerdings auch das Risiko reduzieren kann, an Multipler Sklerose zu erkranken, bleibt noch abzuwarten.“

 

 


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